
| Hessischer Friedenspreis 2011 an Sadako Ogata verliehen |
| Dienstag, den 06. Dezember 2011 um 17:57 Uhr | |||
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Wiesbaden – Am heutigen Dienstag fand im Hessischen Landtag im Rahmen eines Festaktes die Verleihung des Hessischen Friedenspreises 2011 an Sadako Ogata statt. Dr. Gunter Pleuger, Präsident der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) und ehemaliger Staatssekretär des Auswärtigen Amts, hielt die Laudatio auf die Preisträgerin. Landtagspräsident Norbert Kartmann betonte in seiner Begrüßung, das Kuratorium habe sich für eine Preisträgerin entschieden, die mit ihrem Wirken dazu beigetragen habe, die Situation vieler Millionen Menschen zu verbessern und politische Lösungen für humanitäre Probleme zu finden. „Frau Ogatas Ziel war und ist eine friedliche, bessere Welt für die Menschen zu schaffen. Sie hat sich für die Verbesserung der Lage von Flüchtlingen aus Kriegs- und Krisengebieten und die Wahrung der Menschenrechte eingesetzt“, so Kartmann. Außerdem habe sie das Konzept der „Menschlichen Sicherheit“, das die Vereinten Nationen seit 2003 verfolge, als Ideengeberin mitbegründet. „Ihr Ansatz war es, nicht nur die militärische Seite der Sicherheitspolitik zu betrachten, sondern den Menschen und seine individuelle Sicherheit in den Mittelpunkt zu stellen. Das bedeutet den Schutz des einzelnen Menschen vor jeglicher Gewalt und die materielle Sicherung seiner Lebensgrundlagen. Das Konzept, mit dem eine Verbindung von Entwicklungs- und Sicherheitspolitik zum Wohle der Menschen in Krisengebieten hergestellt wurde, ist eine der wichtigsten Errungenschaften der heutigen Krisenpolitik. Ich darf daher wohl mit Recht sagen: Frau Ogata, Sie sind eine der großen Architektinnen der internationalen Friedenspolitik unserer Zeit“, hob der Landtagspräsident hervor. Mit Sadako Ogata reihe sich heute eine neue Persönlichkeit in den Kreis der Friedenspreisträger ein, deren Leben beseelt sei von gelebter Humanität und einem engagierten Einsatz für die Menschen in den Kriegs- und Krisengebieten unserer Erde, hob der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier in seiner Rede hervor. „Diesem Friedenswerk der Vereinten Nationen haben Sie sich in jahrelangem Einsatz als Mitglied der Menschenrechtskommission und als Hochkommissarin für Flüchtlinge verschrieben. Als Präsidentin der Japanischen Entwicklungsagentur wirken Sie bis heute als Anwältin für das Schicksal von Flüchtlingen, Kriegsopfern und Benachteiligten auf der ganzen Welt. Durch Menschen wie Sie bekommt das Schicksal dieser Millionen eine Stimme, eine Stimme, die gehört wird und der ich nur von Herzen noch mehr Einfluss wünschen kann“, betonte Bouffier. Sadako Ogata habe ihr ganzes Leben der internationalen Politik, dem Schutz der Menschen, der Achtung der Menschenrechte und der Friedenssicherung gewidmet, betonte Dr. Gunter Pleuger in seiner Laudatio. „Als Professorin für Internationale Beziehungen, als Botschafterin Japans bei den Vereinten Nationen, als Expertin der UNO-Menschenrechtskommission und als Hochkommissarin für Flüchtlinge, um nur einige der wichtigsten Stationen Ihres eindrucksvollen Lebenslaufs zu erwähnen, sind Sie immer eine hervorragende Diplomatin gewesen mit einem steten Engagement für den Schutz der Menschenrechte, für Konfliktmanagement und peacebuilding und haben sich dabei große bleibende Verdienste erworben“, sagte Dr. Pleuger. Besonders eindrucksvoll sei ihr persönlicher Anteil an der Weiterentwicklung der praktischen und völkerrechtlichen Instrumente der Staatengemeinschaft in der Friedenssicherung. „Sie haben erkannt, dass die Fähigkeit, interne und externe Konflikte, die großes menschliches Leid und massive Flüchtlingsströme erzeugen, durch eine umfassende und effektive Befriedungsstrategie zu lösen, zugleich die entscheidende Voraussetzung für eine dauerhafte internationale Friedensordnung ist. Zum Aufbau einer solchen dauerhaften internationalen Friedensordnung haben Sie einen unverzichtbaren Betrag geleistet“, hob der Laudator hervor. Der Vorsitzende des Kuratoriums Hessischer Friedenspreis der Albert Osswald-Stiftung, Staatsminister a.D. Karl Starzacher, verlas anschließend den Text der Urkunde und überreichte diese gemeinsam mit Landtagspräsident Kartmann der Preisträgerin. In ihrer Dankesrede zeigte sich Sadako Ogata sehr bewegt. Sie fühle sich geehrt, für ihr Konzept der „Menschlichen Sicherheit“ mit dem Hessischen Friedenspreis ausgezeichnet worden zu sein. Sie verwies auf die häufige Kluft zwischen humanitärer Hilfe und Entwicklungshilfe, die die JICA zu schließen versuche. Hauptziel sei es vor allem, die „einfachen Menschen“ zu schützen, aber auch die Stützung von Regierungsstrukturen. „Mit der Verstärkung von friedensschaffenden Maßnahmen und Entwicklungshilfe wartet eine enorme Arbeit auf uns. Daher ist unsere Mission eine dynamische Entwicklung, die alle mit ein bezieht und alle Folgen berücksichtigt“, betonte Ogata. Japan und Deutschland hätten in der Vergangenheit ähnliche Erfahrungen gemacht und arbeiteten heute eng zusammen. Die Preisträgerin begrüßte diese Entwicklungszusammenarbeit und versprach sich viel von der Kooperation mit der deutschen Entwicklungsbehörde GIZ. Der Hessische Friedenspreis wurde 1993 von Albert Osswald und der von ihm begründeten Stiftung ins Leben gerufen und ist mit 25.000 Euro dotiert. Die bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger des Hessischen Friedenspreises: 1994 Marianne Heiberg-Holst, Norwegen 1995 John Hume, Nord-Irland 1996 Gregorio Rosa Chavez, El Salvador 1997 Hans Koschnik, Deutschland 1998 Alexander Lebed, Russland 1999 George J. Mitchell, USA 2000 Martti Ahtisaari, Finnland 2001 Max van der Stoel, Niederlande 2003 Lakhdar Brahimi, Algerien 2004 Hans Blix, Schweden 2005 Seine Heiligkeit der 14. Dalai Lama 2006 Daniel Barenboim, Israel 2007 Christian Schwarz-Schilling, Deutschland 2008 Sam Nunn, USA 2009 Dekha Ibrahim Abdi, Kenia 2010 Ismail Khatib, Palästina Lebenslauf Sadako Ogata Sadako Ogata wurde am 16. Sept. 1927 in Tokio, Japan geboren und stammt aus einer prominenten Politikerfamilie. Ihr Großvater war japanischer Außenminister, der Vater machte als Diplomat Karriere. In den 1930er Jahren wuchs Ogata in San Francisco und Portland/Oregon auf. Nach einem College-Studium an der katholischen Frauen-"University of the Sacred Heart" in Tokio ging Sadako Ogata 1951 in die USA und studierte dort politische Wissenschaften. 1953 erhielt sie einen Magister der Georgetown University in Washington, D.C. und promovierte 1963 an der University of California Berkeley bevor sie nach Japan zurückkehrte. Von 1965 bis 1974 lehrte sie an der Internationalen Christlichen Universität und an der Heiligherz Universität von Tokio Internationale Beziehungen. Von 1974 bis 1976 war sie Assistenzprofessor an der Internationalen Christlichen Universität. 1976 ging sie wieder in die USA, diesmal in die Vertretung ihres Landes bei den Vereinten Nationen in New York, wo sie zunächst den Rang einer Ministerin innehatte, später war sie Sondergesandte. 1980 kehrte sie nach Tokio zurück und wurde erst Professorin, später Direktorin des Instituts für internationale Beziehungen an der Sophia-Universität in Tokio. 1989 wurde sie Dekanin. Von 1982 bis 1985 war sie die japanische Vertreterin in der UN-Menschenrechtskommission. 1990 war sie kurzzeitig als unabhängige Expertin der UN-Menschenrechtskommission in Myanmar tätig. Von 1991 bis 2000 war Sadako Ogata UN-Hochkommissarin für Flüchtlinge. Sie wurde 1990 erstmals von der UN-Generalversammlung für ein Mandat von drei Jahren gewählt und nahm das Amt am 1. Januar 1991 auf. 1993 wurde sie für fünf weitere Jahre gewählt und 1998 erneut für zwei Jahre. Seit 2004 ist Sadako Ogata Präsidentin der Japanischen Entwicklungsagentur JICA.
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