WIESBADEN Der Notruf ging kurz vor Beginn des Festaktes „30 Jahre Babynotarztwagen“ ein. Einem neuen Erdenbürger ging es schlecht. Der ASB musste mit seinem Spezialfahrzeug für Früh- und Neugeborene ausrücken. Der Einsatz verdeutlichte nach Ansicht vieler Gäste eindrucksvoll, wie wichtig der Wagen ist. „Unverzichtbar“, bemerkte ein Mann.
Festrednerin Kristina Schröder, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, ging auf die Geschichte des Babynotarztwagen, kurz Baby-NAW, ein. Früh- und Neugeborene seien zerbrechlich und empfindlich.„In regulären Rettungsfahrzeugen ist der optimale Transport dieser ganz besonderen Patienten nicht möglich“, erklärte die CDU-Politikerin. Daher habe sich der ASB vor 30 Jahren für ein Spezialfahrzeug entschieden, das ganz auf die Bedürfnisse der Babys abgestimmt ist. Unter anderem ist es besonders gefedert, um Stöße durch Schlaglöcher von den Kleinen fernzuhalten.
Gesundheitsdezernentin Rose-Lore Scholz sieht im Baby-NAW ein „Fahrzeug von unschätzbarem Wert“. Es mache den ASB zudem „einzigartig“, da keine andere Hilfsorganisation in Wiesbaden einen Babynotarztwagen besitzt. Beim ASB waren bisher vier Baby-NAW im Einsatz. Sie wurden 1979, 1990, 1997 und 2010 angeschafft. Bei den ersten drei Fahrzeugen handelte es sich um umgebaute VW-Busse, nun um einen Mercedes Sprinter. Die CDU-Politikerin erinnerte daran, dass die Dr. Horst Schmidt-Kliniken bei der Weiterentwicklung mithalfen. „Die Kooperation zwischen HSK und ASB ist gut.“ Wenn wundert es da, dass der Leiter der Kinderklinik an der HSK, Dr. Markus Knuf, und sein Vorgänger Dr. Michael Albani, beim Festakt ebenfalls Ansprachen hielten.
Explizit hatte der ASB zum Festakt jene Familien eingeladen, deren Nachwuchs vor 30 Jahren im Baby-NAW transportiert wurde. Da es keine alten Aufzeichnungen gab, war ein Aufruf gestartet worden. „Über 30 Leute meldeten sich“, freute sich Achim Reinhold, Vorsitzender des ASB. Die meisten kamen aus Wiesbaden und dem Rheingau-Taunus-Kreis. Doch auch aus Wilhelmshaven hatte jemand Kontakt aufgenommen. Zwei Familien wiesen darauf hin, dass ihr Nachwuchs bereits 1979 im Baby-NAW fuhr. „Damals war das Fahrzeug testweise im Einsatz“, berichtete Reinhold. Offiziell wurde es 1980 in Dienst gestellt.
Stadtverordnetenvorsteher Wolfgang Nickel erzählte beim Festakt die bewegende Geschichte einer Mutter, die 1979 nach einer viel zu frühen Zwillingsgeburt den Babynotarztwagen brauchte. Persönlich zeigte sich der CDU-Politiker vom Baby-NAW beeindruckt. „Das Geld dafür ist sehr gut angelegt“, meinte er. Die Anschaffung der Fahrzeuge und deren Betrieb hat der ASB von Anfang an aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden bezahlt. Für den neuen Wagen, der 200.000 Euro kostete, fehlen noch 70.000 Euro. Daher wird unter dem Stichwort „Baby-NAW“ um Spenden auf das Konto 100 036 878 bei der Nassauischen Sparkasse, Bankleitzahl 510 500 15, gebeten.
Zum Babynotarztwagen hatte TV-Wiesbaden schonmal einen Filmbeitrag gemacht: